Als Talk-Gast beim Medienforum Mittweida

Alles beginnt mit einem Anruf von Philine, die ich gut aus dem Organisationsteam vom Jugendmediencamp kenne. Natürlich will ich nicht ablehnen, als die sie mich unvermittelt einlädt, als Podiumsgast beim Medienforum Mittweida zum Thema Vertrauenskrise im Journalismus und Medienkompetenz zu sprechen. Dabei bin ich weder Medienwissenschaftler noch „renommierter Experte“ auf diesem Gebiet, sondern nur ein Vertreter des Jugendpresse-Netzwerks.

Erst dachte ich noch an einen stickigen Seminarraum mit ein paar versprengten Studenten der Medien-Fakultät (von der ich immerhin schon gehört hatte). Doch dass ich mich plötzlich – für die Kameras geschminkt – in einem großen Studio in einer professionellen Talkrunde wiederfinde und mit namhaften Medienmenschen vor hunderten Besuchern meine Gedanken vortragen darf – damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Provinz-Re:publica (fast) ohne die Berliner Medien-Bohéme

Seit 20 Jahren wird das Medienforum Mittweida jährlich von Studenten gestaltet, die „irgendwas mit Medien“ studieren – in einem dafür sehr exklusiven Umfeld. An jener größten Fachhochschule Sachsens sind 6.300 Studenten immatrikuliert, obwohl die Stadt Mittweida nur etwas weniger als 15.000 Einwohner zählt. Mir, der die Provinz noch immer im Herzen trägt, imponiert das sehr, dass irgendwo zwischen Grimma, Chemnitz und Freiberg eine kleine Re:publica stattfindet.

Zwar zieht es hierher nicht die großen Namen; Edward Snowden ist nicht live zugeschaltet (wenngleich das technisch für die Mittweidaer Studenten sicher machbar wäre). Doch schließlich besticht das Medienforum vor allem durch eine liebevolle Organisation und familiäre Atmosphäre. Besonders deutlich wird das im Anschluss an die Vorträge und Keynote-Speakern beim „Bayerisch-Sächsischen Mediengipfel“ am Abend.

Doch zunächst, um 18 Uhr und zum Abschluss des ersten Programmtags, sitze ich in erlesener Runde. Moderiert wird sie souverän von ZDF-Mann Thomas Bärsch. Dank der scharfen Analysen von Medienwissenschaftler Thomas Dittrich ist das Thema klar umrissen und wird von Antonie Rietzschel, Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung, einem schonungslosen Praxisabgleich unterzogen. Etwas medienpolitische Würze liefert Aline Fiedler (MdL).

Und dann ist da noch Firas Alshater, Sympathieträger der deutschen YouTube-Szene, der allerdings in einer ganz eigenen Medienwelt lebt, die sich nicht mit dem „Lügenpresse“-Vorwurf herumschlagen muss und es unserem Star nicht einfach macht, auf die globalen Fragen eine Antwort zu geben. Egal.

Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Natürlich gebe ich mein Bestes. Wir sprechen über Krisenszenarien und die Ursachen, warum die Medien an Vertrauen eingebüßt haben. Zustimmung erhalte ich zu meiner Auffassung, dass die Schulung von Medienkompetenz – das zweite Thema der Runde – nur partiell Abhilfe schaffen kann. Denn immerhin leiden „die Medien“ ja selbst unter dem nicht ganz unbegründeten Vorwurf, oft genug belehrend und schulmeisterlich aufzutreten.

Wem nicht geglaubt wird, muss den Fehler zuerst bei der eigenen Berichterstattung suchen und darf nicht auf die Dummheit mancher Zeitgenossen rekurieren, die einen Bericht nicht vom Kommentar unterscheiden können oder die Kopp-Nachrichten für Qualitätsjournalismus halten. Nun gut, Thomas Dittrich nickt mir zu und fährt mit einem längeren Monolog fort.

In Lederhosen vom Leder ziehen

Ich finde, Journalisten sollten kontinuierlich und kreativ daran arbeiten, durch eine sensible und qualitative Berichterstattung das Vertrauen bei jenen Konsumenten zurückzugewinnen, die Zweifel anmelden oder sich nicht mehr von der etablierten Presse repräsentiert sehen, sich aber zum Glück noch nicht zu den „alternativen Medien“ verabschiedet haben. Zur Diskussion der Frage, wie genau wir die skeptische Klientel zurückgewinnen können, fehlt beim Talk am Ende leider die Zeit. Und so bleiben wir dem interessierten Fachpublikum ein paar konkrete Lösungsansätze schuldig.

Doch dafür gab es ja noch den „Bayerisch-Sächsischen Mediengipfel“, der sich gut machte, mal etwas über die merkwürdige Programmplanung bei den Öffentlich-Rechtlichen zu poltern – natürlich äußerst zünftig, bei unterhaltsamen Programmpunkten, Lederhosen und Dirndln, lustigen Spielchen und jeder Menge Bier, durchgereicht an Studenten, Professoren, Dozenten und begeisterten Gästen wir mir. Das gebuchte Hotelzimmer habe ich nicht gebraucht; noch am sehr frühen Morgen ging mein Shuttle zurück in die Hauptstadt. Was für ein Start in die Woche!

Vielen Dank für die Einladung und die Organisation eines großartigen Medienforums, das ich an dieser Stelle noch einmal empfehlen möchte. Keep up the good work!

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